Rosinenpickerei (Cherry Picking) — Wenn Logik sich verkleidet
Rosinenpickerei präsentiert selektiv nur die Belege, die eine vorbestimmte Konklusion stützen, während Belege, die ihr widersprechen, ignoriert oder unterdrückt werden. Im Gegensatz zur ehrlichen Argumentation, bei der man alle verfügbaren Belege abwägt, erzeugt das Cherry-Picking durch das Kuratieren von Daten ein irreführendes Bild. Es ist einer der heimtückischsten Fehlschlüsse, da die angeführten Belege einzeln oft legitim sind.
Auch bekannt als: Suppressed Evidence, Incomplete Evidence, Card Stacking, One-Sided Assessment
Wie es funktioniert
Jedes angeführte Beweisstück ist echt und nachprüfbar, wodurch das Argument gut gestützt erscheint. Dem Publikum fehlt oft die Zeit oder das Fachwissen, um zu prüfen, ob gegenteilige Evidenz existiert, sodass die selektive Präsentation unwidersprochen bleibt.
Ein klassisches Beispiel
"Studien zeigen eindeutig, dass dieses Medikament sicher ist." (Der Sprecher zitiert drei kleine Studien, die keine Nebenwirkungen zeigen, und ignoriert zwei groß angelegte Studien, die signifikante Risiken gefunden haben).
Wo man das in der Praxis findet
Allgegenwärtig im Pharmamarketing, bei der Leugnung des Klimawandels, in Factsheets politischer Kampagnen, bei Gewinnpräsentationen von Unternehmen und bei jedem Advocacy, wo die selektive Präsentation von Daten Meinungen beeinflussen kann.
Wie man es erkennt und kontert
Frage, ob alle relevanten Belege berücksichtigt wurden: 'Was sagt die gesamte Studienlage? Gibt es Studien oder Datenpunkte, die widersprechen?' Suche nach systematischen Reviews anstatt nach Einzelstudien.
Das Fazit
Rosinenpickerei (Cherry Picking) gehört zu den Denkfehlern, die auf den ersten Blick völlig logisch klingen. Genau das macht sie gefährlich — sie tragen das Kostüm valider Argumentation, während sie eine fehlerhafte Schlussfolgerung einschmuggeln. Die beste Verteidigung? Langsamer werden und fragen: Folgt diese Schlussfolgerung tatsächlich aus diesen Prämissen?