Gelegenheitsstichprobenbias — Wenn Logik sich verkleidet
Gelegenheitsstichprobenbias entsteht, wenn Forscher die am leichtesten zugänglichen Personen befragen, statt eine repräsentative Stichprobe aus der Zielpopulation zu ziehen. Das bekannteste Beispiel ist die Überrepräsentation von WEIRD-Stichproben (westlich, gebildet, industrialisiert, reich, demokratisch) in der Psychologie, insbesondere amerikanische Studierende.
Auch bekannt als: WEIRD-Stichprobenbias, Verfügbarkeitsstichprobenbias
Wie es funktioniert
Studierendengruppen sind günstig, verfügbar und kooperativ. Forscher rechtfertigen die Verallgemeinerung mit der Annahme universeller kognitiver Prozesse, die selten geprüft wird.
Ein klassisches Beispiel
Die meisten grundlegenden psychologischen Studien zu Kooperation, Fairness und Entscheidungsverhalten nutzten US-amerikanische Studierende als Versuchspersonen. Bei Replikationen mit Nicht-WEIRD-Populationen scheiterten viele Befunde.
Wo man das in der Praxis findet
Eine Metaanalyse von 2010 zeigte, dass US-amerikanische Studierende zu den psychologisch ungewöhnlichsten Populationen der Welt gehören, aber den Großteil der Psychologieliteratur ausmachen.
Wie man es erkennt und kontert
Fragen, wer befragt wurde und warum. Prüfen, ob die Zielpopulation mit der Stichprobe übereinstimmt. Vor dem Akzeptieren universeller Behauptungen nach kulturübergreifenden Replikationen suchen.
Das Fazit
Gelegenheitsstichprobenbias gehört zu den Denkfehlern, die auf den ersten Blick völlig logisch klingen. Genau das macht sie gefährlich — sie tragen das Kostüm valider Argumentation, während sie eine fehlerhafte Schlussfolgerung einschmuggeln. Die beste Verteidigung? Langsamer werden und fragen: Folgt diese Schlussfolgerung tatsächlich aus diesen Prämissen?