Goodharts Gesetz (Goodhart's Law) — Wenn Logik sich verkleidet
Goodharts Gesetz besagt: „Wenn ein Maß zum Ziel wird, hört es auf, ein gutes Maß zu sein.“ Sobald Akteure wissen, dass sie nach einer bestimmten Kennzahl bewertet werden, optimieren sie diese Kennzahl, oft auf Kosten des eigentlichen Ziels, das sie repräsentieren sollte. Dies führt zu perversen Anreizen.
Auch bekannt als: Campbell's Law, Metric Gaming, Teaching to the test, Cobra Effect
Wie es funktioniert
Metriken sind Vereinfachungen komplexer Realitäten. Es ist fast immer einfacher, den Proxy (die Kennzahl) zu manipulieren als das komplexe Ziel dahinter zu erreichen.
Ein klassisches Beispiel
Ein Callcenter setzt die „durchschnittliche Gesprächsdauer“ als Zielwert, um effizienter zu werden. Die Agenten fangen an, Kunden abzuwürgen, schwierige Anrufe weiterzuleiten oder einfach aufzulegen. Die Gesprächsdauer sinkt (Ziel erreicht), aber die Kundenzufriedenheit bricht ein.
Wo man das in der Praxis findet
Goodharts Gesetz findet sich bei Standardtests in Schulen, in der Kriminalstatistik, bei wissenschaftlichen Zitierraten und im Engagement-Marketing in sozialen Medien.
Wie man es erkennt und kontert
Nutze mehrere komplementäre Metriken, die schwer gleichzeitig zu manipulieren sind. Wechsel Metriken regelmäßig und ergänze quantitative Daten durch qualitative Bewertungen.
Das Fazit
Goodharts Gesetz (Goodhart's Law) gehört zu den Denkfehlern, die auf den ersten Blick völlig logisch klingen. Genau das macht sie gefährlich — sie tragen das Kostüm valider Argumentation, während sie eine fehlerhafte Schlussfolgerung einschmuggeln. Die beste Verteidigung? Langsamer werden und fragen: Folgt diese Schlussfolgerung tatsächlich aus diesen Prämissen?