McNamara-Fehlschluss (McNamara Fallacy) — Wenn Logik sich verkleidet
Der McNamara-Fehlschluss tritt auf, wenn sich die Entscheidungsfindung ausschließlich auf quantitative Metriken stützt und qualitative Faktoren ignoriert, die schwerer zu messen, aber ebenso wichtig oder wichtiger sind. Benannt nach Robert McNamara, der „Body Counts“ als primäres Maß für den Erfolg im Vietnamkrieg nutzte, verläuft dieser Fehlschluss in Stufen: Erstens misst man das Leicht-Messbare, zweitens ignoriert man das Nicht-Messbare, und drittens nimmt man an, dass das Nicht-Messbare unwichtig sei.
Auch bekannt als: Quantitative Fallacy, Metric Fixation, What gets measured gets managed (misattributed)
Wie es funktioniert
Zahlen wirken objektiv, präzise und vergleichbar. Qualitative Faktoren sind oft mehrdeutig und in Berichten schwerer zu verteidigen, weshalb sie an den Rand gedrängt werden, selbst wenn jeder weiß, dass sie wichtig sind.
Ein klassisches Beispiel
Ein Krankenhaus bewertet Ärzte rein nach der Anzahl der Patienten pro Stunde. Dr. A sieht 8 Patienten pro Stunde durch Schnelldiagnosen. Dr. B sieht nur 4, nimmt sich aber Zeit für gründliche Diagnosen und Patientenaufklärung. Das Management befördert Dr. A und ignoriert, dass Dr. B bessere Behandlungsergebnisse und weniger Wiederaufnahmen erzielt.
Wo man das in der Praxis findet
Dieser Fehlschluss dominiert die betriebliche KPI-Kultur, schulische Standardtests („Teaching to the test“) und die Polizeiarbeit (Kriminalstatistik vs. Vertrauen der Gemeinschaft).
Wie man es erkennt und kontert
Führe explizit wichtige qualitative Faktoren neben den quantitativen Metriken auf. Nutze Balanced Scorecards und frage dich, welche wesentlichen Aspekte NICHT von den aktuellen Messungen erfasst werden.
Das Fazit
McNamara-Fehlschluss (McNamara Fallacy) gehört zu den Denkfehlern, die auf den ersten Blick völlig logisch klingen. Genau das macht sie gefährlich — sie tragen das Kostüm valider Argumentation, während sie eine fehlerhafte Schlussfolgerung einschmuggeln. Die beste Verteidigung? Langsamer werden und fragen: Folgt diese Schlussfolgerung tatsächlich aus diesen Prämissen?