Moral Licensing (Moralische Lizenzierung) — Wenn Logik sich verkleidet
Die Tendenz, sich selbst ein moralisch fragwürdiges Verhalten zu gestatten, nachdem man etwas Tugendhaftes getan hat, als ob gute Taten moralische 'Guthaben' (Credits) schaffen würden, die für spätere Verfehlungen ausgegeben werden können. Die Tugend der Vergangenheit wird zur Lizenz für zukünftige Laster.
Auch bekannt als: Self-Licensing, Moral Credits, Selbstlizenzierung
Wie es funktioniert
Menschen erhalten sich ein moralisches Selbstbild aufrecht. Wenn ein kürzliches Verhalten eine positive moralische Identität etabliert, fühlt sich die Bedrohung durch eine einzelne Überschreitung gering an und wird psychologisch abgewertet.
Ein klassisches Beispiel
Nach einer Spende für einen wohltätigen Zweck fühlt sich eine Person berechtigt, einen Servicemitarbeiter unhöflich zu behandeln. Nachdem jemand ein Elektroauto gekauft hat, unternimmt er mehr Flugreisen.
Wo man das in der Praxis findet
Soziale Verantwortung von Unternehmen, gefolgt von unethischen Praktiken; Rechtfertigung durch umweltfreundlichen Konsum; und die Einstellung von Minderheiten, die als Rechtfertigung für spätere Diskriminierung herangezogen wird.
Wie man es erkennt und kontert
Behandle ethisches Verhalten als durchgängigen Standard und nicht als Bilanz oder Konto. Erkenne an, dass vergangenes Gutes keinen gegenwärtigen Schaden rechtfertigt.
Das Fazit
Moral Licensing (Moralische Lizenzierung) gehört zu den Denkfehlern, die auf den ersten Blick völlig logisch klingen. Genau das macht sie gefährlich — sie tragen das Kostüm valider Argumentation, während sie eine fehlerhafte Schlussfolgerung einschmuggeln. Die beste Verteidigung? Langsamer werden und fragen: Folgt diese Schlussfolgerung tatsächlich aus diesen Prämissen?