Staatsanwaltsirrtum — Wenn Logik sich verkleidet
Der Staatsanwaltsirrtum verwechselt die Wahrscheinlichkeit des Beweises bei Unschuld — P(Beweis | unschuldig) — mit der Wahrscheinlichkeit der Unschuld angesichts des Beweises — P(unschuldig | Beweis). Eine DNA-Übereinstimmung mit einer 1-zu-einer-Million-Zufallswahrscheinlichkeit bedeutet nicht, dass es eine 1-zu-einer-Million-Chance gibt, dass der Angeklagte unschuldig ist.
Auch bekannt als: Transposition der Bedingten, Basisratenvernachlässigung in der Forensik
Wie es funktioniert
P(A|B) und P(B|A) können sich dramatisch unterscheiden. Diese Transposition ist kognitiv natürlich und betrifft selbst Experten. Kleine bedingte Wahrscheinlichkeiten fühlen sich unabhängig von der Basisrate als starke Beweise an.
Ein klassisches Beispiel
Ein Forensiker bezeugt, es gebe eine 1-zu-10-Millionen-Chance, dass ein Unschuldiger das DNA-Profil des Angeklagten teilt. Der Staatsanwalt argumentiert, dies bedeute eine 1-zu-10-Millionen-Chance der Unschuld. In einer Stadt mit 3 Millionen Menschen würden jedoch ca. 0,3 Personen zufällig übereinstimmen.
Wo man das in der Praxis findet
Mehrere Fehlurteile wurden dem Staatsanwaltsirrtum zugeschrieben. Der Fall Sally Clark ist ein Lehrbuchbeispiel, bei dem eine 1-zu-73-Millionen-Wahrscheinlichkeit als Unschuldswahrscheinlichkeit fehlinterpretiert wurde.
Wie man es erkennt und kontert
Den Satz von Bayes explizit anwenden. Fragen: Wie viele Personen in der potenziellen Verdächtigengruppe würden die Beweise ebenfalls zufällig erfüllen? Die Antwort gibt die wahre posteriore Wahrscheinlichkeit.
Das Fazit
Staatsanwaltsirrtum gehört zu den Denkfehlern, die auf den ersten Blick völlig logisch klingen. Genau das macht sie gefährlich — sie tragen das Kostüm valider Argumentation, während sie eine fehlerhafte Schlussfolgerung einschmuggeln. Die beste Verteidigung? Langsamer werden und fragen: Folgt diese Schlussfolgerung tatsächlich aus diesen Prämissen?