Tu Quoque — Wenn Logik sich verkleidet
Tu quoque ('du auch') lenkt Kritik ab, indem darauf hingewiesen wird, dass der Ankläger sich desselben oder eines ähnlichen Verhaltens schuldig gemacht hat. Es mag zwar Heuchelei offenbaren, befasst sich aber nicht damit, ob die ursprüngliche Kritik gültig ist. Das infrage stehende Verhalten bleibt falsch, unabhängig davon, ob der Kritiker es ebenfalls an den Tag legt. Es ist eine spezifische Form des Ad hominem, die Erwartungen an Konsistenz als Waffe einsetzt.
Auch bekannt als: Appeal to Hypocrisy, Whataboutism, Two Wrongs Make a Right, Du auch
Wie es funktioniert
Heuchelei löst ein starkes Gefühl der Ungerechtigkeit aus, wodurch das Publikum mit dem Beschuldigten sympathisiert. Es verlagert zudem die Last von der Verteidigung des eigenen Verhaltens hin zur Verteidigung des eigenen Rechts zu kritisieren.
Ein klassisches Beispiel
"Du sagst mir, ich soll mich gesünder ernähren? Du hattest diese Woche dreimal Fast Food! Du hast nicht das Recht, mich zu belehren."
Wo man das in der Praxis findet
Extrem häufig in der Geopolitik ('Whataboutism' war eine typische sowjetische Taktik) und in persönlichen Beziehungen, wo Partner Beschwerden durch Gegenbeschuldigungen ablenken.
Wie man es erkennt und kontert
Erkenne die Heuchelei an, falls sie existiert, und lenke dann um: 'Ob ich meinen eigenen Rat befolge oder nicht, ändert nichts daran, ob der Rat richtig ist. Lass uns auf die Substanz konzentrieren.'
Das Fazit
Tu Quoque gehört zu den Denkfehlern, die auf den ersten Blick völlig logisch klingen. Genau das macht sie gefährlich — sie tragen das Kostüm valider Argumentation, während sie eine fehlerhafte Schlussfolgerung einschmuggeln. Die beste Verteidigung? Langsamer werden und fragen: Folgt diese Schlussfolgerung tatsächlich aus diesen Prämissen?