Untererfassungsbias — Wenn Logik sich verkleidet
Untererfassungsbias entsteht, wenn bestimmte Mitglieder der Zielpopulation keine oder kaum Chance haben, in die Stichprobe aufgenommen zu werden, weil der Stichprobenrahmen sie nicht erfasst. Klassische Beispiele sind Telefonbefragungen, die Menschen ohne Telefon, oder Online-Umfragen, die Menschen ohne Internetzugang ausschließen.
Auch bekannt als: Rahmenverzerrung, Abdeckungsfehler
Wie es funktioniert
Stichprobenrahmen werden nach Verfügbarkeit und Bequemlichkeit konstruiert, nicht nach Vollständigkeit. Forscher unterschätzen häufig, wie stark ausgeschlossene Gruppen von eingeschlossenen abweichen.
Ein klassisches Beispiel
Eine Umfrage des Literary Digest 1936 prognostizierte einen Erdrutschsieg für Alf Landon, befragte jedoch nur Autobesitzer und Telefonabonnenten und schloss damit ärmere Wähler systematisch aus, die überwiegend Roosevelt unterstützten.
Wo man das in der Praxis findet
Befragungen von Internetnutzern, Smartphone-Besitzern oder Social-Media-Nutzern schließen systematisch ältere, ärmere oder technikfernere Bevölkerungsgruppen aus.
Wie man es erkennt und kontert
Zielpopulation klar definieren und prüfen, wie gut der Stichprobenrahmen diese abdeckt. Ergänzende Datenquellen für unterrepräsentierte Gruppen verwenden. Gewichtungsverfahren zur Korrektur bekannter Lücken einsetzen.
Das Fazit
Untererfassungsbias gehört zu den Denkfehlern, die auf den ersten Blick völlig logisch klingen. Genau das macht sie gefährlich — sie tragen das Kostüm valider Argumentation, während sie eine fehlerhafte Schlussfolgerung einschmuggeln. Die beste Verteidigung? Langsamer werden und fragen: Folgt diese Schlussfolgerung tatsächlich aus diesen Prämissen?