Unterpowerte Studie (Underpowered Study) — Wenn Zahlen lügen
Kennst du das? Eine Studie mit nur 15 Teilnehmern pro Gruppe testet eine neue Therapie.
Auch bekannt als: Low statistical power, Small sample study, Insuffiziente Stichprobengröße
Was passiert hier eigentlich?
Eine unterpowerte Studie hat zu wenige Beobachtungen, um einen Effekt einer erwarteten Größe zuverlässig zu erkennen. Die statistische Power gibt die Wahrscheinlichkeit an, einen echten Effekt zu finden. Studien mit einer Power unter 80 % gelten als unzuverlässig: Signifikante Befunde sind oft übertrieben groß, und nicht-signifikante Befunde sind kein Beweis für das Ausbleiben eines Effekts.
Berechnungen zur Stichprobengröße sind technisch und werden in Pressemitteilungen selten erwähnt. Das Publikum nimmt an, dass jede publizierte Studie groß genug sei.
Real Talk: Das siehst du jeden Tag
Eine Studie mit nur 15 Teilnehmern pro Gruppe testet eine neue Therapie. Um den Effekt zu finden, wären eigentlich 80 Teilnehmer pro Gruppe nötig. Die Studie findet p = 0,08 und schließt auf „keine Wirkung“. Das ist falsch: Die Studie war einfach zu klein, um die Wirkung zu beweisen.
Unterpowerte Studien sind häufig in den Neurowissenschaften und in Pilotstudien der klinischen Forschung.
Dein BS-Detektor
Prüfe die Stichprobengröße im Verhältnis zum Effekt. Wenn eine kleine Studie „nichts findet“, bewerte dies als „nicht aussagekräftig“ statt als „Beweis für Unwirksamkeit“.
- ✓ Wer hat diese Daten gesammelt, und warum?
- ✓ Ist die Stichprobe groß genug und fair?
- ✓ Könnte es eine andere Erklärung geben?
Die Challenge
Wenn dir das nächste Mal jemand eine Statistik um die Ohren haut — in der Schule, online, in den Nachrichten — akzeptier sie nicht einfach. Frag: Was fehlt in diesem Bild?
Teil des TellDear Teen Book — criticalthinking.guide