Verwechslung von relativem und absolutem Risiko — Wenn Logik sich verkleidet
Dieser Fehler tritt auf, wenn relative Risikoveränderungen (Prozent von Prozent) mit absoluten verwechselt werden, was Effekte viel größer oder kleiner erscheinen lässt. Es ist wohl die am häufigsten ausgenutzte statistische Verwirrung in Gesundheitsjournalismus und Pharmamarketing.
Auch bekannt als: Relativer-Risiko-Fehlschluss, Risikoverstärkungsbias
Wie es funktioniert
Relative Risikoreduktionen klingen immer beeindruckender. ‚50% Reduktion' löst eine emotionale Reaktion aus, die ‚0,1 Prozentpunkt Reduktion' nicht auslöst.
Ein klassisches Beispiel
Eine Medikamentenwerbung behauptet: ‚Reduziert das Herzinfarktrisiko um 50%.' Klingt dramatisch. Aber wenn das Basisrisiko 2 von 1.000 ist, sinkt es auf 1 von 1.000 — eine absolute Risikoreduktion von nur 0,1%.
Wo man das in der Praxis findet
COVID-19-Impfstoffwirksamkeit wurde als ‚95% wirksam' (relativ) berichtet, was etwa 0,7% absolute Reduktion des Infektionsrisikos über den Studienzeitraum bedeutet. Statine ‚reduzieren das Herzinfarktrisiko um 36%' — absolut von 3,0% auf 1,9% (NNT ≈ 91).
Wie man es erkennt und kontert
Immer nach den absoluten Zahlen fragen: ‚X von wie vielen?' Number Needed to Treat (NNT) nutzen. Beide Zahlen nebeneinander präsentieren.
Das Fazit
Verwechslung von relativem und absolutem Risiko gehört zu den Denkfehlern, die auf den ersten Blick völlig logisch klingen. Genau das macht sie gefährlich — sie tragen das Kostüm valider Argumentation, während sie eine fehlerhafte Schlussfolgerung einschmuggeln. Die beste Verteidigung? Langsamer werden und fragen: Folgt diese Schlussfolgerung tatsächlich aus diesen Prämissen?